Eine Delegation mit vier Schüler*innen reiste Anfang Mai an den Wirkungsort unserer Namenspatronin nach Ulm und Herrlingen. Es wurden Kontakte zur dortigen Anna-Essinger-Schule geknüpft und in der Stadt Ulm deren berühmte ‚Kinder‘ erkundet, unter anderem ‚unsere‘ Anna und Albert Einstein. Im Stadtarchiv und in Herrlingen haben wir intensiv recherchiert und fotografiert. Das alles wird in eine Schautafel im Foyer einfließen, die im Oktober anlässlich des 10-jährigen Bestehens unserer Gemeinschaftsschule eröffnet werden soll.
„Dies ist eine Schenkung der jüdischen Gemeinde “, wurde uns im Münster von Ulm angesichts der Skulptur des Propheten Jeremias erklärt. „Der Antisemitismus war eine ideologisches Konstrukt der Nazis, das rein gar nichts mit der Realität zu tun hatte”, so der begeisterte Leiter der Anna-Essinger-AG unser Ulmer Namensschwesterschule, denn die große jüdische Community in Ulm war bestens in das Stadtleben integriert, u.a. als Sponsoren für das christliche Münster. Wir waren beeindruckt, wie ein Mensch wie der Geschichtslehrer Dr. Michael Koch so sehr von einem Gebiet begeistert sein kann, dass er bei selbst so einer so grausamen Geschichte wie der Vernichtung der Ulmer Juden durch die deutschen Nationalsozialisten seinen Zuhörenden immer noch ein Wohlgefühl gibt, denn das Glühen in seinen Augen verlischt nicht. Es mahnt uns dazu, nicht zu vergessen.
Wir waren in Ulm zu Besuch auf den Spuren von Anna Essinger, die hier 1879, im gleichen Jahr wie Albert Einstein, geboren wurde. Während Einstein mit seiner Familie wegzog, ging Anna Essinger auf die Mädchenschule bis sie 1899 in die USA ging, um zu studieren, denn fast nur dort war das damals für eine Frau möglich. Erst nach dem 1. Weltkrieg kehrte sie nach Deutschland zurück, um eine Hilfsaktion der Quäker für hungrige deutsche Kinder zu koordinieren. 1926, vor genau 100 Jahren, gründete sie in Herrlingen, einem idyllischen Vorort von Ulm, eine Schule für die Kinder des Waisenhauses ihrer Schwester Clara. Das Schulhaus (s. Foto) wurde als Internat nach Annas Vorstellungen gebaut. Im Jahr 1933 floh Anna Essinger mit 65 jüdischen Kindern und einigen Lehrer*innen nach Bunce Court im Süden Englands. Die Schule hatte dort immer wieder um ihre Existenzberechtigung zu kämpfen, bleib aber bis 1948 bestehen.
Das Erbe dieser Schule lebt weiter. Dieses Erbe sind wir alle, die Anna Essinger nicht vergessen lassen. Unsere Zeugen sind unzählige ihrer Schüler*innen, die allesamt so dankbar über die Rettung vor dem Holocaust waren, dass sie nicht müde wurden, von „Tante Anna“ zu erzählen. Es liegt an uns, die Geschichten aus der Vergangenheit weiterzuerzählen, gerade jene Geschichten, die viel zu wenige kennen. In der Anna-Essinger-AG, in der jede*r aus unserer Schulgemeinschaft herzlich willkommen ist, begreifen wir genau das als unsere Aufgabe. Also: Herzlich willkommen, donnerstags 2. Pause!
Hanna (A10), Paul (A14), Alexa (B01), Max (B01), Frau Urban, Frau Schorlemmer